Sonntag, 1. Juli 2012

1 Jahr

 01. Juli 2011 – 01. Juli 2012
 
Das sind 365 Tage oder 52 Wochen oder 12 Monate oder 1 Jahr.
 
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Heute vor genau einem Jahr bin ich zu meiner grossen Radtour von Alaska nach Feuerland gestartet. Ich kann mich noch genau an den ersten Tag in Anchorage erinnern – wie aufgeregt ich war und dass ich es kaum erwarten konnte, auf das Rad zu kommen.

Die Aufregung hat sich schon lange gelegt. Stattdessen ist jeden Tag staunen, entdecken und erleben angesagt.


   
Das schönste an der Tour ist das Entdecken neuer Länder und Kulturen, das ungewisse jeden Tag und die Treffen mit anderen Radfahrern. Man hat zwar einen groben Plan, aber der kann schnell IMG_0127über den Haufen geworfen sein: wenn man andere Menschen trifft, es etwas interessantes entlang der Strasse zu sehen gibt oder die natuerlichen Gegebenheiten der Landschaft (Berg, Wind, Hoehe) die Kilometer ohne Ende lang werden lassen.
   
Drei Dinge sind wirklich wichtig: radfahren, essen und schlafen – oder besser gesagt “Zurueck zu den einfachen Dingen des Lebens”, denn mehr braucht es nicht auf dieser Tour.
   
Dauerurlaub??? Nun, ich stehe seit Wochen mit der Dämmerung auf und sitze sehr früh auf dem Rad um ein gewisses Tagespensum zu schaffen. Aber es ist kein Beinbruch, wenn ich es nicht schaffe oder ich mir mal wieder überlege, doch einfach einen anderen Weg zu nehmen. Diese Freiheiten - Entscheidungen zu treffen und über den Haufen werfen zu können, zu fahren oder zu bleiben, zu pausieren oder zu radeln, ohne Stress und Konsequenzen unterwegs zu sein – sind es, die diese Tour zum erholsamen Urlaub machen. Die Ruhe der Menschen in Lateinamerika steckt an – und es wäre wünschenswert, wenn wir in Deutschland etwas davon mit hätten.
    
Viele Höhepunkte haben meinen Weg entlang der Panamericana geprägt.

Der Denali – Nationalpark mit dem Mt. Denali.

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Die Fahrt über die Golden Gate Bridge in San Francisco und die Tour durch America mit meinem Vater.

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Die Bahia California in Mexiko mit Wüste und Kakteen-Wäldern

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Der Lago de Atitlan in Guatemala
  
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Die Fahrt über den Äquator in Ecuador

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Die Besteigung von Cotopaxi und Chimborazo in Ecuador

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Oder die vielen Märkte in Lateinamerika, die eine einmalig tolle Atmosphäre haben...

           Schuputzerin       Besen
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Das sind nur einige Highlights, die mir gut in Erinnerung geblieben sind. Natürlich habe ich mich immer auf Besuch aus der Heimat gefreut. So habe ich Stefan in Newport Beach getroffen oder Martin hat mich in Costa Rica fuer 14 Tage besucht. Ferner gab es auch ein Abendessen und ein kuehles Bier mit Inge und Heinz Niebur in Costa Rica.

Meinen uerspruenglichen Plan, die Reise in einem Jahr durchzuziehen, muss ich jedoch etwas verwerfen. Es wird länger dauern. Aber spätestens Ende Oktober bin ich wieder in Greffen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meine Eltern, die sich zu Hause um alles kümmern und mein wichtigstes Backoffice sind.

Danke an Mario, dem ich regelmäßig den Server mit Bildern meiner Reise vollpacken kann.

Danke für all die E-Mails, die mich mit Informationen aus der Heimat versorgen und mir immer wieder große Freude bereiten.

Danke an alle Blogleser. Mit mehr als 100 Seitenzugriffen am Tag freut es mich riesig, dass ihr Interesse an meiner Reise habt und diese so eifrig mitverfolgt. Für mich ist das immer wieder ein Ansporn, euch mit aktuellen Informationen zu versorgen.

In diesem Sinne – ich lasse von mir lesen und wir sehen uns spätestens Ende Oktober in Greffen.

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Montag, 25. Juni 2012

Von Huanuco nach Pisco - oder die Fahrt der Rekorde


    
       
Ein Stück Strasse ist den Abhang runtergegangen.

Cerro de  Pasco - auf 4.330 Metern die höchste Stadt der Welt.

Fürstliches Mittagessen - mit Philiadelphia, Obst und Würstchen.

Viel Bergbau wird entlang der Strecke betrieben.

Auf 4.000 Metern wird noch Getreide angebaut.

Lamas, Alpacas oder Vecunas - sehr scheue Tiere.

Und auf 4.500 Metern habe ich noch Blumen gefunden.

Mein hoechster Pass - 5.059 Meter.
Dünne Luft und ein eisiger Wind weht hier oben.

Einmalig schöne Landschaften oberhalb der 4.000 Meter.

In das Tal da hinten bin ich runtergeradelt - über 100km downhill.

Die letzten Tage waren Tage voller Rekorde. Von Huanuco ging es bergauf zum ersten Rekord. Auf 4.330 Metern bin ich in "Cerro de Pasco" eingeradelt. Die höchste Stadt der Welt. Tagsüber Temperaturen wie im Kühlschrank, Nachts Temperaturen wie in der Gefriertruhe. Die Stadt ist eine ehemalige Minenstadt. Völlig gesichtslos, unschön, verfallen und wenn es nicht die höchste Stadt der Welt wäre, keinen Besuch wert. Ich habe in einem schäbigen Hotel übernachtet und war mal wieder froh, meinen Schlafsack dabei zu haben, den ich auf das Bett gelegt habe.
Am nächsten Tag ging es auf die Hochebene des Nationalparks "Junin". Eine wunderschöne Hocheben - über 100km lang und 50km breit, eingerahmt von Bergen und in der Mitte der große See "Chinchaycocha". Das radeln jenseits der 4.000 Meter hat mir keine Probleme bereitet, da ich gut akklimatisiert war und die Strecke hier oben nur leicht wellig war. "La Oroya" hieß die nächste Stadt - wieder eine Minenstadt, in der ich nicht bleiben wollte. Ich bin einfach 10km nach dem Ort runter zum Fluss und habe dort mein Zelt aufgestellt. Tags darauf ging es wieder runter auf  3.200 Meter und das "Mantaro-Tal" wurde immer breiter und grüner, bis ich schließlich in Huancayo angekommen bin. Huncayo ist eine typische peruanische Großstadt. Das einzige, was mir hier richtig gut gefallen hat, war das neue und große Einkaufszentrum. Hier gab es auch eine "Fressmeile", die ich ausgiebig getestet habe. Eigentlich bin ich ja nicht so der Fan von Burger King und Pizza Hut, aber hier habe ich alles mitgenommen, was ging, um Kalorien zu tanken. Pizza, Pizza, Pommes, Pommes und mal wieder Cola und Schokolade. Gut gestärkt ging es nach einem Ruhetag weiter in Richtung Huando. Mein Camp kann ich erst späte neben der Strasse aufschlagen, da mich zwei Peruaner unermüdlich mit ihren Rädern begleiten und keine Anstalten machen, mich zu verlassen. Erst als ich die fünfte Pause innerhalb von 15 Minuten einlege, ziehen sie ab. Am Himmel ziehen pechschwarze Wolken auf und es beginnt leicht zu regnen. Hinter der Bergkette, im nächsten Tal, herrscht Weltuntergang und Blitze zucken aus den Wolken. Ich habe aber Glück und das Unwetter kommt nicht über die Bergkette. Huancavelica heisst die nächste große Stadt, und sie liegt auf 3.680 Metern. Hier gönne ich mir in einem Restaurant ein großes Mittagessen, denn nun geht es richtig zu Sache. Der Asphalt hört kurz nach der Stadt auf und die Schotterstrasse windet sich nur in Richtung Himmel. Ich bin ziemlich verwundert, dass über diese Piste so viele LKW's fahren. Und wie immer sind die Fahrer SEHR rücksichtsvoll. Im vollen Tempo geht es an mir vorbei und ich stehe regelmäßig in einer riesigen Staubwolke. Mein Camp an diesem Abend steht auf über 4.000 Metern. Am nächsten Morgen ist es mal wieder richtig eisig kalt. Nachdem die ersten Sonnenstrahlen mein Zelt erwärmen, stehe ich auf, packe zusammen und fahre erst mal eine Stunde, bevor es Fruehstueck gibt. Den ganzen Tag geht es bergauf. Die Landschaft sieht aus wie gemalt, die Farben sind so beeindruckend, dass man vom Anblick nicht genug bekommen kann. Immer mehr Alpaca- und Vecunaherden ziehen über die Strasse oder grasen am Straßenrand. Die Tiere sind sehr scheu und ergreifen sofort die Flucht, wenn man ihnen zu nahe kommt. Am späten Nachmittag dann der nächste Rekord. Ich erreiche den Pass "Huayrajasa" auf 5.059 Metern. Hier oben ist die Luft dünn, der Wind eisig und ich uebergluecklich, so hoch mit dem Rad gekommen zu sein. Nach dem Pass geht es runter zu den Lagunen von "Santa Ines". Und der nächste Rekord: Zelten auf 4.500 Metern an einer der Lagunen. Das war mein bis jetzt hoechstes Camp und definitiv das kälteste. Ich habe mich in der Nacht immer mehr angezogen, so kalt wurde es. Am nächsten Morgen war ich bereits vor 06:00 Uhr wach, wollte aber warten, bis die Sonne mein Zelt erwärmt. Aber die Sonne kam und kam nicht über die Berge rueber. Nach 07:00 Uhr bin ich aufgestanden und habe mein total vereistes Zelt eingepackt und bin fröstelnd los. Nach einer Stunde Fahrt war das Wasser in den Flaschen aufgetaut und ich habe das Zelt in die Sonne zum trocknen gelegt und erst mal gefruehstueckt. Zum Fruehstueck gibt es übrigens fast immer Jogurt und Muesli. Jogurt kann man fast überall kaufen und Muesli gibt es in den groesseren Orten. Und dann der letzte Rekord: es ging über 100km auf durchwachsener Strasse runter. So einen lagen Downhill hatte ich auch noch nicht. Eigentlich ging es sogar 180km bergab, aber die letzten 80km nach Pisco waren mit einigen kleinen Gegenanstiegen durchsetzt. Die letzte Nacht vor Pisco habe ich dann auf ca. 1.000 Metern gezeltet. Es war angenehm warm und ich konnte im T-Shirt vor meinem Zelt sitzen. Auch den Schlafsack brauchte ich über Nacht nicht zu machen und am morgen konnte man ohne zu frieren vor dem Zelt fruehstuecken (auch ohne Sonne). Von über 5.000 Metern bin ich heute nun wieder auf 0 Metern am Pazifik angekommen. Und was ich in Pisco erleben werde und wie es weiter geht, erfahrt ihr dann im nächsten Post.
PS: Die Höllenhunde sind mit abnehmender Höhe etwas erträglicher geworden und ich komme mit einem halben Pfund Steine aus.....
   

Freitag, 22. Juni 2012

Die Wahrheit !!!



Ich bin nun schon einige Wochen in den peruanischen Anden unterwegs. Bei meiner Recherche nach dem Wahrheitsgehalt eines Liedes, musste ich eine fatale Entdeckung machen....
     

Dienstag, 19. Juni 2012

1.000km zum 18.


17.06.2012, 15:55 Uhr
Peru, kurz vor La Oroya
          

Freitag, 15. Juni 2012

Mit einem Pfund Steine in der Tasche von Huaraz nach Huanuco

Hier wird alles verwertet - Einlage für eine gute Suppe.

Gewürze gleich Sackweise.

Für einen Schwatz auf der Strasse haben die Menschen hier immer Zeit.

Ein letzter Blick auf die Cordilliera Blanca.

Warnung: Es geht in die Höhe - und damit sind Gefahren verbunden.

Wie ein Wurm schlängelt sich die Strasse in unendlichen Kurven hoch.

Am "Abra Yana Shalla" auf 4.540 Metern - Höhenrekord !!!

Die Krone der Incas.
   
Hier leben die Menschen in den Bergdörfern Perus - kleine Lehmhütten.


Huaraz hat mich nicht so schnell gehen lassen, wie ich wollte. Die Medikamente haben meinem Rücken nicht geholfen - und darum habe ich drei Tage in folge einen Chiropraktiker besucht. Er hat es wieder hinbekommen. Ferner musste ich mal wieder zum Zahnarzt - dass kommt davon, wenn man zum Cola-Yunke wird. Die vergebliche Suche nach einer neuen Isomatte hat dann die restliche Zeit in Anspruch genommen. Kein Trekking und keine Ahnenforschung (Pater Leopoldo - ein Onkel von Ludger Twehues - war hier fast 30 Jahre als Pater tätig und unter seiner Regie wurde eine Kirche und Schulen errichtet). Dafür habe ich aber Babs und Achim am letzten Tag wieder gesehen.
Nachdem alles wieder ok war, ging es nach über einer Woche Auszeit endlich weiter. Der erste Tag führte mich auf über 4.000 Meter mit tollen Blicken auf die Cordilliera Blanca und einer tollen Landschaft. Gegen Abend stand dann Camping auf über 4.000 Metern an - das war verdammt eisig und meinen Schlafsack habe ich am nächsten Tag erst verlassen, nachdem die ersten Sonnenstrahlen wärmend auf mein Zelt gefallen sind. Es ging rauf auf 4.200 Meter, dann runter auf 3.400 Meter und dann wieder rauf. Berge und Gegenwind bin ich ja nun schon gewohnt - aber dann noch dünne Luft dazu, dass lässt einen ganz schön pusten. Und trotz Sonne ist es hier oben merklich kühl. Am zweiten Tag beende ich meine Tour bereits um 16:30 Uhr und baue schnell mein Zelt auf, da es mit Wind wieder empfindlich kalt wird. Wasser und Batterien müssen neben mir noch Platz im Schlafsack finden, damit ich am morgen wenigsten etwas trinken kann und meine Kamera noch funktioniert.
In endlosen Serpentinen schlängelt sich die Strasse dem "Abra Yana Shalla" entgegen - auf 4.540 Metern. Mein neuer Höhenrekord mit dem Rad! Oben kein Schild, keine tolle Aussicht - aber dafür geht die Strasse nun endlich wieder runter. Nun komme ich im wirklichen Peru an. Orte, die wohl nie ein Tourist besuchen würde finden sich entlang der Strasse. Die Menschen leben in kleinen Lehmhütten, vielfach ohne Fenster und nur mit einer Tür die etwas Licht herein lässt. Vor den Häusern hängen vertrocknete Maiskolben. Schweine, Ziegen und Kühe werden über die Strassen getrieben und zwingen mich hier und da zum bremsen. In einigen Dörfern hat die Regierung Toilettenhäuser gebaut - Türkis gestrichene Plumsklos mit der Aufschrift: "Wir arbeiten für die Gesundheit". Es gibt keinen Strom und fließend Wasser findet man an zentralen Wasserstellen irgendwo in den Orten. Die Menschen sitzen vor den Häusern, tanzen auf den Strassen und kleine Kinder schauen und winken mit grossen Augen - oder verstecken sich erst mal. Hier ist man Gringo - hier darf man's sein. "Hola Gringo" wird mir immer freundlich zugerufen. Und natürlich die Frage, aus welchem Land ich komme.
Außerdem habe ich eine neue Aufgabe bekommen, bevor ich morgens losfahre. Wenn alles gepackt ist und das Rad startklar darsteht. fange ich an, große Steine zu sammeln und in meine Hosentasche zu stecken. Denn damit gilt es, eine neue Tierart zu verscheuchen, die mich wirklich um den Verstand bringt und mir so manches mal ganz derbes Herzklopfen beschert hat. Die Rede ist vom "peruanischen Höllenhund". Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aggressiv und angriffslustig diese Bestien hier oben sind. Und die meisten haben nicht nur einen Hund, sondern drei und mehr. Vor zwei Tagen bin ich gegen Tagesende von fünf Hunden attackiert worden. Die haben mich regelrecht umzingelt und wurden immer aggressiver. Mein Steinvorrat war fast aufgebraucht, aber sie liessen nicht von mir ab. Selbst der Besitzer der netten Tierchen, der sich mit einem Stock einmischte, konnte die Hunde nicht beruhigen. Irgendwann hat dann seine Frau zum Fressen gerufen - und von jetzt auf gleich waren sie verschwunden. Hier hatte ich wirklich Angst. Und so geht das jetzt seit vier Tagen - mehrere Hundeattacken am Tag. Und es wird wohl noch eine Weile so bleiben. Zum Glück gibt es hier in den Bergen Steine genug. Und was ist schon ein Pfund mehr oder weniger an Gewicht.